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  • Abgezockt und schockgefroren

    Datum 18.01.2009 Uhrzeit 16:30
    Breite 47°59'23,6" N Länge 7°51'56,0" E
    Lage Kalte Füße

    Smok, Lärm, Abgase, Chaos, Ho Chi Minh.

    Ho Chi Minh, oder genauer Saigon, nach ingesamt 6 Tagen in der Stadt lagen die Nerven blank. Nervenkitzel beim Überqueren von Straßen, blaue Flecken durch Rolleraußenspiegel beim Einkaufen auf dem Markt und Erkältungen durch Klimaanlagen.

    Ho Chi Minh ist eine faszinierende, grelle, laute und bunte Stadt. Die Tage waren spannend aber auch anstrengend. Der Abschied fiel nicht allzu schwer. Mit Air Asia sollte es weiter nach Kuala Lumpur gehen. Alte Hasen wie wir sind, ging es erst Mal mit dem per Telefon bestelltem Taxi an den Flughafen. Die einkalkulierten Staus und Unfälle blieben aus, ganz klar, hätten wir sie nicht einkalkuliert würden wir heute noch im Stau stehen. Egal, so konnten wir uns entspannt umziehen und die Rucksäcke auf den Lufttransport vorbereiten.

    Das Ungemach folgte aber zugleich. Gebucht hatten wir 3 Gepäckstücke zu je 15 kg. Das sah man aber bei Air Asia ganz anders, gebucht waren 3 Gepäckstücke zu ingesamt 30 kg. In asiatischer Mathematik habe ich weiß Gott keinen schwarzen Gürtel, aber nach Adam Riese sind 3 x 15 = 45. Nach Air Asia ist bezahlt 3 x 15 gleich 30 kg bekommen. Mein Lieblingsatz folgt auf den Fuß, "Haben Sie unsere AGB gelesen?" Klar, man hat ja in seinem Urlaub nichts anderes zu tun als diverse AGBs zu studieren. Gerne darf man 3 x 15 kg bezahlen, transportieren darf man aber nur 15 kg pro Kopf. Alles andere wird nicht transportiert. Nach längerer Diskusion mit dem Manager vom Dienst macht er mir ein Kulanzangebot, unsere 20 kg Übergepäck nimmt er für 5 US$ das Kilo dann doch noch mit. Das nenn ich mal Tigerstaatenwirtschaft. Mangels Alternativen bezahle ich unter Protest 100 US$; darauf der Manager "Wir haben genug zufriedene Kunden, wir können gerne auf Sie als Kunden verzichten". Nach so viel asiatischer Freundlichkeit gab es am Abend in Kuala Lumpur erst Mal einen Burger bei McDonalds. Und siehe da, 2 Burger bezahlt, 2 bekommen. Geht doch!

    Nach 3 Wochen Reis in allen Variationen - gedünstet, gebraten und als Nudel - war der gang zu McDonalds einem Besuch beim Edelfranzosen gleich. Pommes, Burger und unendlich viele Kalorien, das Travellerherz schlägt höher. Um 1 Uhr Nachts am Hauptbahnhof mit 50 kg Gepäck sind dank Burger&Co auch die Abzockereien der Möchtegernbilligairline schnell vergessen. Den ersten Schreck von Air Asia aus den Gliedern verbannt und den zweiten Burger im Magen staunen wir als Drittes nicht schlecht als wir feststellen, dass das Leben in Kuala Lumpur um 24 Uhr endet. Kein Zug, kein Bus, kein Roller. Wir irren einem Taxischild hinterher und siehe da, 3 Taxis stehen verirrt vor dem Bahnhof. Für einen Mondpreis geht es dann zum Hotel, mangels Alternativen und genügend Aufregung für 2 Leben entscheiden wir uns für den Mondpreis und gegen die Vernunft. Die erste Überraschung in Malaysia, ich sage dem Fahrer Citrus Hotel und er bringt uns zum Citrus Hotel, direkt, ohne Umwege, ohne eine Karte zu sehen. Er fährt einfach direkt los. In Vietnam wären wir wahrscheinlich im Obstmarkt gelandet.

    3 Tage Kuala Lumpur stehen auf dem Programm. Geplant war ein Besuch von Melakka, doch nach Kingas intensivem Shoppingtrip waren die Beine müde und der Kopf nicht willig. So verbrachten wir noch 3 Tage ruhig und gelassen in einem entspannten Kuala Lumpur. Den Streß aus Vietnam hinter uns, konnten wir bei einem Espresso zental in Downtown entspannen. Was für ein Unterschied!

    Dann der letzte Schock der Reise, Abflug in Kuala Lumpur bei 35°C, Ankunft in Frankfurt bei -15 °C. Das Lachen ist mir heute noch ins Gesicht gefroren!

    Das nächste Ziel steht schon fest. Nächstes Jahr geht es nach Malaysia, für uns nach diesen Wochen einfach das entspanntere Asien.

  • Geschüttelt, nicht gerührt!

    Datum 04.01.2009 Uhrzeit 08:30
    Breite 10°46'05,5" N Länge 106°41'63,9" E
    Lage Seekrank

    Schiff Ahoi! Wir sind zurück in Saigon.

    7 Tage Phu Quoc, was gibt es zu sagen? Nicht viel, wenn ein Tag aus

    Aufstehen
    Frühstücken
    Abhängen in der Hängematte
    Mittagessen
    Abhängen in der Hängematte
    Abendessen
    Moskitos töten
    Schlafen

    besteht. Zugegeben, die ersten 2 Nächte waren wenig erholsam, aber nachdem wir unseren "very inefficient bungalow" mit Generatorgetuckere gegen einen hübschen, leisen Strandbungalow getauscht hatten, stellte sich auch die erhoffte Erholung im Nu ein.

    Das Restaurant war übrigens hervorragend, und so hat sich meine Liste der vernaschten Tierarten um Seestern, Seeschnecke, und noch diverse andere Schnecken und Muschalarten erweitert.

    Da leider alles ein Ende hat, mussten wir uns trotz einer 2-tägigen Inselverlängerung auf den Weg Richtung Festland machen. In unserem jugendlichen Leichtsinn haben wir von Superdong II auf die morgens fahrende Superdong I umgebucht. War Superdong II noch ein stattlicher, aber trotzdem schaukliger Katamaran, so war Superdong I nur eine hüpfende Sardinenbüchse. Mit 200 Passagieren an Bord tanzte das Schiff auf den eigentlich gar nicht vorhandenen Wellen 2,5 Stunden Richtung Festland. Wurden kurz vor Beginn der Fahrt noch Pillen gegen Seekrankheit ausgeteilt, mussten nach etwa 10 Minuten schleunigst die berühmten Tüten verteilt werden. Ich habe ja schon viele Schaukelpartien mitgemacht, aber nach 30 Minuten konnte ich Rollen nicht mehr von Stampfen unterscheiden. Das Boot rotierte um sämtliche Achsen, und selbst ich konnte mich am Abend nach der Ankunft nicht mehr so recht auf den Beinen halten.

    Nach unendlichen Stunden ging es dann per Minibus, der nur unwesentlich weniger schaukelte, weiter Richtung Saigon. Auf der Fahrt lernten wir Ken kennen, einen Vietnamesen, der sein Glück in den USA gefunden hatte und auf einen Besuch in der Heimat vorbeigeschaut hatte. Der Zufall wollte es, dass seine Familie nur einen Steinwurf von unserem Hotel entfernt wohnte, und so teilten wir uns ein Taxi Richtung langersehntes Bett. Zuerst mussten wir aber noch einen erbosten Taxifahrer "überzeugen", dass wir nicht mit ihm, sondern im Taxi von Ken mitfahren, hatte er sich doch seiner Abzocke schon sicher geglaubt. So entschwanden wir ohne Abzocke äuerst preiswert Richtung Hotel.

    Zeit zum Ausruhen gibt es aber trotzdem nicht. Jetzt geht es erst Mal zum Powershoppen, gilt es doch noch die letzten Geschenke Last Minute einzukaufen.

  • Lieblingstätigkeit der Vietnamesen: Betonieren

    Viele Nationen der Welt wären überglücklich eine solch schöne Insel zu haben wie Phu Quoc. Traumhafte Strände, Kokosspalmen, ein Frutti di Mare-reiches Gewässer und saftiges Grün tropischer Pflanzen. Damit kann man die Touris, die alles für eine Hütte mit Seeblick geben, so richtig abzocken. Die Vietnamesen finden das 2,5 Stunden Fährengeschaukel entfernte Paradies allerdings noch nicht schön genug. Ihre für moderne Architektur empfänglichen (Schlitz)Augen möchten am Strand nicht nur den öden Sand sehen – Beton muss her!

    So bekommen weiße Strandabschnitte einen schmückenden Betonrand, die Palmen enden in einem schicken Zement-Beet, noch so kurze und schmale Pfade zwischen den Hütten im Ressort werden säuberlich betoniert. Kai assoziiert die Vorliebe für die grau-raue Bausubstanz mit dem Kommunismus. Vielleicht hat er Recht: Mit Beton kann man alles so schön einheitlich, quadratisch machen.
    Ich hoffe allerdings, dass sich die Vietnamesen rechtzeitig besinnen: Bremsen sie ihre architektonischen Ambitionen nicht, werden sie künftig nur noch vietnamesische, ähnlich bauverrückte Touristen empfangen können. Der Rest sucht sich weniger betongebrandmarkte Gegenden..

  • Sleepless on Phu Quoc

    Datum 27.12.2008 Uhrzeit 16:30  
    Breite 10°18'31,7" N Länge 103°51'67,4" E  
    Lage Wut im Bauch

    Was für ein Tag! Genauso wie die Überfahrt sollte auch der ganze Tag werden: holprig und schauklig.

    Frohen Mutes bestiegen wir die Fähre Richtung Phu Quoc, schließlich war alles organisiert, die Fährtickets schon 2 Wochen im Voraus gebucht, das Ressort reserviert und die Abholung am Kai zugesagt. Angekommen kam die erste herbe Enttäuschung: Die zugesicherte Abholung fand nicht statt. Anstatt unseres Fahrers standen nur eine Traube von Touts am Anleger, welche entweder Leute für die Hotelanlagen anwerben wollten oder überteuerte Minibusse anboten.

    Es blieb uns nichts anderes übrig, als notgedrungen sich einem Fahrer anzuvertrauen. Wir verstauten also unser Gepäck und nahmen in einem Bus Platz. Schon da hatte ich ein ungutes Gefühl, was sich auch wenige Sekunden später bestätigen sollte. Der Fahrer jammerte, dass unser Ressort viel zu weit im Norden liegt und er uns mindestens 20 US$ berechnen müsste, eine absolut wahnsinnige Summe. Wir stiegen aus und wurden von einem weiteren Fahrer angesprochen, auch gleich mit dem Satz „Oh, very far away“. Auf meinen Einwand, dass es ja schließlich nur etwa 20 bis 30 km sind, wurde er frech und pöbelte uns an. Wir liefen weiter in der Hoffnung doch noch eine andere Lösung zu finden. Die gewählte Lösung war dann aber auch die schlechteste. Kinga organisierte 2 Roller mit Fahrer und so fuhren wir bepackt mit 2 schweren Rücksäcken, einer schweren Reisetasche und 2 kleinen, aber nicht weniger schweren Taschen über eine Stunde Richtung Ressort.

    Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals über so lange Zeit solche Schmerzen aushalten zu müssen. Der schwere Rucksack zog mich nach hinten, so musste ich mich krampfhaft nach vorne drücken, was zu unglaublichen Schmerzen in der Hüfte führte. Getoppt wurde das ganze nur noch durch die Schlaglöcher, welche die Muskeln an der Hüfte so richtig schön verkrampfen lies. Nach etwa einer Stunde Fahrt hatten wir eine Panne. Klar, für die Lasten sind die kleinen Roller nicht ausgelegt. Wir warteten 30 Minuten im Staub, bis der reparierte Roller zurück kam. die Jungs taten mir auch Leid. Die haben sich an dem Tag das Geld auch schwer verdient.
    Über holprige Pfade und eingebrochene Fuhrten ging es weiter Richtung Mai Phuong Beach Ressort.

    Nach einer unendlichen Stunde als Sozius auf einem Roller sind wir zu guter Letzt völlig fertig im Ressort angekommen. Der erwartete Empfang und die Entschuldigung für die versaute Abholung blieb aus, stattdessen wurden wir – kaum, dass wir mit den schmerzenden Beinen auf dem Boden standen – erst Mal mehr oder weniger höflich darauf hingewiesen, dass das Ressort ausgebucht sei. Nach wenigen Minuten klärte sich dann alles auf und unser VIP-Bungalow wurde zurecht gemacht.

    Nicht, dass wir in irgendeiner Weise scharf auf VIP- oder Deluxe-Bungalows sind, eigentlich wollten wir nur eine kleine Bambushütte ohne alles. Aber nach dem Fiasko mit dem Bangkokflug, hatten wir keine Alternativen. Wir mussten einfach den letzten verbleibenden Bungalow auf der Insel mieten, den VIP-Bungalow im Mai Phuong Beach Ressort. Mit TV, DVD-Player, Kühlschrank, Klimaanlage und allem Schnickschnack. Erwartet hat uns aber etwas ganz Anderes. In froher Hoffnung öffneten wir die Tür zu unserem Paradies, aber es öffnete sich uns eine schnöde Leere. Kein TV, kein DVD-Player, kein Kühlschrank, keine Klimaanlage, nicht mal Strom am Tag. Für 60 US$ pro Tag haben wir einen leeren Palast gemietet.

    Auch damit wären wir irgendwie zufrieden gewesen, war doch die Aussicht von der Terrasse nicht zu beanstanden. Ungestörtes Seepanorama. Allerdings galt es erst eine kleine Betonmauer zu überwinden, um an das gesegnete Nass zu kommen und einen großen Bogen um den toten Hund am Strand, welcher von tausenden Fliegen umkreist war, zu machen. Beim Essen galt es unbedingt den Gedanken zu vermeiden, wo denn die Fliege an meiner Kokosnuss gerade vorher gesessen hatte.

    Die erste Nacht kam und es wurde eine sehr, sehr lange Nacht. Eine helle Nacht zwar, dank des ab einbrechender Dunkelheit laufenden Dieselaggregates, aber auch eine schlaflose Nacht. Das Stromaggregat stand direkt hinter unserer VIP- Hütte und versüßte uns die Nacht mit einem monotonen toktoktoktoktoktok ...

    Mit dicken Augen und Tränen in den Augen war für Kinga der Entschluß klar, so geht das keine weitere Nacht weiter.

    Sleepless on Phu Quoc, mit open end.

  • Taxi Rach Gia – Wo du wolle?

    Datum 26.12.2008 Uhrzeit 18:30  
    Breite Ragh Gia Länge  
    Lage On the road again

    Alles hat ein Ende, auch unsere Zeit in Can Tho. In einem genialen Schachzug habe ich gleich bei der Ankunft in Can Tho unsere Fahrkarten für den Mai Linh- Express an der Haltstelle gekauft. Ich dachte in meiner westlichen Naivität, dass ein Mai Linh-Taxifahrer auch die Mai Linh-Busstation kennt, aber nein: Am Tag der Fahrgt landen prompt wir an der zentralen, aber eben falschen Busstation. 10 Minuten lang versuchen wir dem Guten klar zu machen, dass das hier die falsche Station ist, aber es hilft nichts. Wir entscheiden uns umringt und bedrengt von Touts, ein neues Ticket am Mai Linh-Schalter zu kaufen, und so ging es dann nach 30 Minuten auch tatsächlich on the road nach Rach Gia, Richtung Phu Quoc.

    3 Stunden dauerte die holprige Fahrt im Bus. Die defekte Rückenlehne erhöhte das Fahrerlebnis und Kingas Gesichtsfarbe änderte sich von braun hin zu weiß/grün/blau. In Rach Gia angekommen standen wir wieder in einer Traube Touts, die alle hartnäckig versuchten uns einen Tripp nach Phu Quoc anzudrehen. Da wir aber schon Tickets und Ressort gebucht hatten, stürmten wir aus der Busstation und versuchten die Touts abzuhängen. Bewaffnet mit GPS und Karte suchten wir unser Hotel. Für die Einheimischen muss dies ein absolut köstlich-unvergesslicher Anblick gewesen sein. 2 weiße mit einem kleinen gelben Kasten und einem Reiseführer rennen in sämtliche Himmelsrichtungen und kommen wieder zurück. Ein GPS ist eine geile Sache, wenn aber die Karte nicht stimmt, wird es lustig. Weder waren bei uns die wirklich wichtigen Straßen benannt, noch war das Hotel in der Karte richtig verzeichnet. Nach 20 Minuten hin und her und der Verzweiflung nahe, entdeckten wir es dann doch noch in einer Seitenstraße.

    Das Hotel war gut und günstig, nur das Restaurant gab es leider nicht mehr, so mussten wir am Abend und im strömenden Regen noch ein Lokal suchen. Ich hatte ein super leckeres Nudelgericht und Kinga die Beine von Moskitos umschwirrt. Ich streichelte später meinen Magen, Kinga kratze ihre Stiche. Alles in allem ein mäßiger Tag in einer mäßigen Hafenstadt. Da es aber nur für eine Nacht war, konnte man über das Eine oder das Andere hinwegsehen.

    Die Nacht war ruhig, entspannt und dank eines Fernsehers und Klimaanlage auch recht komfortabel für nur knapp 8 €.

    Phu Quoc, wir kommen.

  • Stille Nacht

    Datum 25.12.2008 Uhrzeit 9:30  
    Breite Can Tho Länge  
    Lage Es weihnachtet sehr

    Heute ist Weihnachten vorbei. Angesichts dieses Weihnachtshorros in Vietnam sicherlich nicht die schlechteste Nachricht des Tages. Wir sind aus Saigon am 22. geflüchtet, um die Weihnachtstage in der Beschaulichkeit des Mekongdeltas zu verbringen. Ursprünglich wollten wir uns verschiedene Städte anschauen, da wir aber mittlerweile so reiseunlustig sind, blieben wir zentral in Can Tho.

    Can Tho hat sich für als wahrer Glücksgriff entpuppt. Die Stadt ist angenehm überschaubar und im Vergleich zu Saigon ein ruhiges, kleines Provinznest. Es gibt gute kleine Restaurants, eine Uferpromenade und Einiges zu sehen, sowohl in der Stadt als auch auf dem Mekong.

    Allein die Hinreise war etwas beschwerlich. Wir haben ein Ticket bei Mai Lihn direkt gegenüber von unserem Hotel gekauft. Von Mai Linh wurden wir am nächsten Morgen mit einem PKW an der Station abgeholt und zur nächsten Mai Linh Station gebracht. Dort mussten wir 15 Minuten warten und wurden in einen völlig überfüllten Bus gesetzt. Zum Glück ging die Fahrt nicht nach Can Tho, sondern nur bis zum Busbahnhof. Dort ausgestiegen, standen wir zusammen mit einem Japaner – der kein Englisch und kein Vietnamesisch sprach – mitten im Getümmel der Busstation. Wir waren da, aber wo war der Bus? Euroasiatisch hilflos standen wir herum, hunderte Busse, alle Farben, nur wo ist unser grüner Mai Linh-Bus nach Can Tho? Zu Dritt liefen wir über den Platz - und siehe da: In einer Ecke entdeckten wir eine Flotte kleiner, grüner Busse, auch den Mai Linh- Bus nach Can Tho. Wir hatten uns zwar einen großen Reisebus erhofft, aber der etwas größere Minibus tat's dann auch. Wir kamen erholt, wenn auch um die Beine etwas verkrampft in Can Tho an.

    Unser Hotel entpuppte sich als großes Businesshotel und unser Zimmer im Vergleich zu dem bisher erlebten als Suite. Wir entschlossen sofort „Hier bleiben wir noch etwas länger“ und hängten gleich noch einen Tag an die Reservierung ran. Der erste Tag war dem Nichtstun gewidmet. Essen, Trinken, Schlafen und ein Boot für den nächsten Tag Organisieren, ansonsten war der Tag absolut sinnbefreit.

    An Heiligabend klingelte um 4:45 unser Wecker Eine Tour über die schwimmenden Märkte stand auf dem Programm. Im Schein der Schreine – hunderter kleine Lichter zur Linken und zur Rechten – fuhren wir auf dem Mekong Richtung Sonnenaufgang und Richtung schwimmender Markt. Kurz nach Sonnenaufgang erreichten wir den ersten Markt und versorgten uns mit Kaffee. Den Akkus unserer Kameras wurde alles abgefordert: Bilder im Sekundentakt. Schließlich war das eine einmalige Kulisse, fast ohne Touris. Nur unseren Japaner aus dem Bus trafen wir wieder.

    Gegen 9 Uhr erreichten wir den zweiten Markt, welcher - ich konnte es gar nicht glauben - bereits um 2 Uhr nachts beginnt. Die Frauen kaufen in der Nacht auf dem Markt ein, um ihren Männern früh morgens ein Frühstück zubereiten zu können. Wir machten fest und beobachteten den Markt. Ab und an kam etwas frisches Obst vorbei geschwommen, und wir nutzten die Chance mal das Eine und das Andere zu probieren. Auf dem Rückweg hielten wir an einem kleinen Restaurant, ganz idyllisch in einer Obstgarten gelegen. Hier hatten wir dann auch zum ersten Mal Gelegenheit, einige Früchte in ihrer natürlichen Umgebung und nicht püriert mit Milch im Glas zu bestaunen. Nach einem leckeren Hotpot mit Fisch und netter Unterhaltung durch unseren Boatdriver ging es gegen Mittag zurück ins Hotel und ab ins Bett, schließlich wollten wir für den Abend auch topfit sein.

    Heiligabend, stille Nacht, aber nicht in Can Tho. So einen Zirkus hatten wir noch nicht erlebt. Die sonst ruhigen, beschaulichen Straßen waren verstopft mit Rollern. Jeder, der konnte, war unterwegs zu einer Weihnachtsparty. Da uns weniger der Sinn nach vietnamesischer Party mit Karaoke stand, gingen wir in ein kleines französisch-vietnamesisches Lokal und begingen den Heiligabend ganz festlich auf dem Balkon des Restaurants mit leckerem Essen, umringt von dem Hupen hunderter Roller. Kugelrund wie eine Christbaumkugel rollten wir zurück ins Hotel und ließen uns, total überfressen und glücklich, ins Bett fallen.

    Das war eine stille Nacht auf Vietnamesisch.

  • Fischsuppe

  • schwimmender Markt

  • Heiligabend auf dem Mekong

  • Frohe Weihnachten

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